
Haare, Sammelname für dünne, fadenförmige Bildungen der Epidermis. Unter den Wirbeltieren besitzen nur die Säugetiere Haare. Die Verteilung der Haare über den Körper ist unterschiedlich. Bei Elefanten, Nashörnern oder Gürteltieren sitzen die Haare am Maul, an der Schwanzspitze oder hinter jeder Schuppe. Wale und Seekühe bilden das embryonal angelegte Haarkleid im Lauf der Entwicklung wieder zurück. Als evolutionärer Vorteil der weitgehenden Haarlosigkeit des Menschen gilt nach einem 2003 in den Proceedings of the Royal Society erschienenen Artikel britischer Forscher die geringere Anfälligkeit für Parasiten. Der mit der Haarlosigkeit einhergehende Verlust des Wärmeschutzes wurde durch kulturelle Errungenschaften wie die Nutzung von Feuer, Kleidung und Schutzbauten ausgeglichen.
Nach ihrer Form lassen sich mehrere Haartypen unterscheiden: Lange, kräftige Haare bilden das Deckhaar des Felles, weiche, gewellte Haare das Wollhaar. Steife Borsten dienen oft als Sinneshaare, Igel oder Stachelschweine besitzen spitze Stacheln. Haare bestehen im Wesentlichen aus einem verhornten Skleroprotein, dem Keratin, und enthalten weder Blutgefäße noch Nerven. Außer bei Albinos ist das Haar pigmentiert und kann kleinste Lufteinschlüsse enthalten, die für die Haarfarbe eine Rolle spielen und im Alter zu einem Ergrauen der Haare führen. Das Haar ist in den über die Haut ragenden Haarschaft und die tief in der Haut verankerte Haarwurzel gegliedert. Der Haarschaft besteht aus blasenförmigen Zellen des Haarmarkes, die von den mit Pigmentkörpern versehenen Zellen der Haarrinde umgeben sind. Nach außen schließt sich das verhornte Plattenepithel der Haarcuticula an. Die Haarwurzel befindet sich in einer Einbuchtung der Epidermis. Die Haarfollikel bilden ständig neue Haarzellen und ermöglichen so das Wachstum. Sie werden über ein Blutgefäßnetz der bindegewebigen Haarpapille ernährt. Am Haarschaft setzt der Haarbalgmuskel (arrector pili) an. Dieser wird durch das autonome Nervensystem innerviert und bewirkt bei Kontraktion das Aufstellen der Haare und eine „Gänsehaut”. Die meisten Tiere besitzen Tasthaare an der Oberlippe oder den Augenbrauen.
Beim Menschen beginnt die Bildung des Haarkleides während der Embryogenese. Im sechsten Monat ist der ganze Fetus mit einem Haarkleid, Lanugo genannt, bedeckt. Dieses Flaumhaar wird noch vor der Geburt wieder abgestoßen und durch stärkeres Haar an Kopf und Augenbrauen sowie feines Haar am übrigen Körper ersetzt. Während der Pubertät kommt es zur Ausbildung der Schambehaarung sowie zum Bartwuchs. Die Wachstumsgeschwindigkeit der Haare variiert in Abhängigkeit von der Haarlänge und dem Alter der Person. Normalerweise fällt ein Haar nach sechs bis sieben Jahren aus. Haarfarbe und Haarform sind genetisch bedingt. Die Haarfarbe wird durch den Gehalt eingelagerten Melanins (Pigment), durch Lufteinschlüsse und den Fettgehalt der Cuticula bestimmt.
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