Haarausfall

Erkrankungen des Haarbalges oder des Follikels können Ursachen für Haarausfall oder übermäßigen Haarwuchs sein. Sprödes und trockenes Haar entsteht meist durch chemische oder mechanische Einflüsse wie häufigen Gebrauch von Dauerwellenpräparaten oder Färbesubstanzen sowie häufiges Waschen mit Alkalien. Überbehaarung ist meist die Folge endokriner Störungen, kann aber auch auf einen Tumor der Nebennierenrinde sowie Erkrankungen der Hypophyse, Schilddrüse oder der Eierstöcke zurückgeführt werden. Das vorzeitige Eintreten des Ergrauens der Haare kann auf Vererbung beruhen oder durch psychische Faktoren wie Angst- oder Schockzustände ausgelöst werden.

Nach Angaben von 2000 leiden in Deutschland jeder dritte Mann und jede zehnte Frau unter Haarausfall; als noch normal gilt ein täglicher Verlust von 80 bis 100 Haaren. Die so genannte androgenetische Alopezie des Mannes, der verfrühte Haarausfall unter dem Einfluss von Androgenen, ist erblich bedingt. Ursache ist nicht ein besonders hoher Hormonspiegel, sondern eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegen Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt des Testosterons. Letzteres wird unter dem Einfluss eines Enzyms (5a-Reduktase), das in der Kopfhaut vor allem im Scheitelbereich und am Haaransatz vorkommt, zu DHT umgewandelt. Durch DHT schrumpfen die Haarwurzeln und es wird nur noch Flaumhaar produziert, das schließlich auch ausfällt. 1999 wurde in Deutschland ein Haarwuchsmittel mit dem Wirkstoff Finasterid (Propecia) zugelassen, das Haarausfall – allerdings nur für die Dauer der Anwendung – verringert, indem es die 5a-Reduktase hemmt.

Ein gewisser Haarausfall ist normal. Generell befinden sich stets rund 80 bis 90 Prozent der Haare in der Wachstumsphase. Durchschnittlich sind auf der Kopfhaut rund 100.000 Haare, von denen – auch bei gesundem Haar – täglich bis zu 100 Stück ausfallen.

Von übermässigem Haarausfall spricht man, wenn über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 100 Haare ausgehen. Am meisten verbreitet ist der erblich-hormonell bedingte Haarausfall. Das ist die ererbte Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen männlichen Sexualhormone. Drei Viertel der Männer sind im Laufe ihres Lebens mit einem mehr oder weniger ausgeprägten erblich-hormonell bedingten Haarausfall konfrontiert. Auch Frauen sind betroffen. Im Alter von 60 Jahren leidet durchschnittlich jede vierte Frauen unter erblich-hormonell bedingten Haarausfalls. Während Männern die Haare zunächst auf Stirn und Wirbel ausfallen und sich später eine Glatze bildet, lichten sich bei Frauen die Haare im Scheitelbereich.

Haarausfall kann zudem durch Seborrhö verursacht werden. Andere Ursachen des Haarverlustes sind auf Stress, Entzündungen, Nervenerkrankungen oder lokale Infektionen zurückzuführen. Der relativ seltene kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata), bei dem deutlich begrenzte kahle Stellen entstehen, basiert auf einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Bei Frauen tritt häufig diffuse Alopezie auf, wobei Haare entlang des Scheitels ausgehen. Ursache ist zumeist ein verringerter Östrogenspiegel, wie er nach Absetzen der „Antibabypille”, nach einer Schwangerschaft oder während des Klimakteriums auftritt. In diesem Fall kann die Anwendung östrogenhaltiger Mittel (Haarwasser oder Tabletten) Wirkung zeigen.

Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für Immunbiologie in Freiburg berichteten 2000, sie hätten ein Gen entdeckt, das für die Bildung von Keratin zuständig sei. Man könne künftig bei Menschen, die unter Haarausfall leiden, gezielt in dieses Gen eingreifen, um neuen Haarwuchs anzuregen. Wie US-amerikanische Forscher 2003 in Genes and Development berichteten, induzierten sie bei Mäusen die Bildung neuer Haarfollikel, indem sie kurzzeitig eine verstärkte Bildung des Proteins beta-Catenin anregten; da dieses Protein auch bei der Entstehung von Hautkrebs eine Rolle spielt, kann das Verfahren vorerst nicht am Menschen erprobt werden.

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